Alpenüberquerung Salzburg – Triest, zweite Etappe 17.08.-23.08.2020

Die zweite Etappe der Alpenüberquerung führte uns durch die Salzburger Schieferalpen und die Goldberggruppe der Hohen Tauern.

Da ich letztes Jahr bei der ersten Etappe nicht dabei sein konnte, war ich froh, dass dieses Jahr, trotz vorheriger Unsicherheit und coronabedingter Einschränkungen, die Tour wie geplant stattfinden konnte. So starteten wir, fünf Männer und zwei Frauen, am Montagfrüh mit dem Zug von Grafing Bhf. nach Saalfelden. Dort marschierten wir von Maria Alm am Steinernen Meer zum Statzer Haus hoch, gelegen auf dem Hundstein. Leider konnten wir die geplante Route über den Grat, mit sicher wundervollem Panoramablick, nicht nehmen, da sich just ein Gewitter ankündigte. Auch waren wir froh, am ersten Tag mit einem „Aufwärmprogramm“ zu starten und nicht gleich mit 6.30 Std Aufstieg zu beginnen.

Oben auf der Hütte empfing uns ein rustikaler Hüttenwirt, der im Laufe des Abends immer redseliger wurde und uns, bei einer deftigen Kaspressknödelsuppe, mit Anekdoten aus seinem Leben unterhielt.

Unter anderem erklärte er uns das „Hundstoa-Ranggeln“ , scheinbar die älteste und fairste Sportart Österreichs, welches unterhalb des Statzerhauses jedes Jahr am Sonntag nach Jakobi (25. Juli) stattfindet.

Wir hatten viel Spaß miteinander und amüsierten uns herrlich.

Am zweiten Tag ging es vor allem bergab über Taxenbach nach Rauris. Dabei durchquerten wir die Kitzlochklamm, die sicher eine der schönsten und eindrucksvollsten Klammen derösterreichischen Alpen ist. Uns zeigte sich auf dieser Wanderung ein einzigartiges Naturschauspiel, z.B. wenn die Rauriser Ache durch enge Felshänge und schimmernde Kalkschiefersteine schießt, wir dabei eine spektakuläre Brücke hoch über dem tosenden Wasser überquerten, Nervenkitzel eingeschlossen, und noch obendrein einen anspruchsvollen Klettersteig bewundern konnten.

Spektakuläre Tiefblicke bot die Kitzlochklamm (Foto: Marcel Platz)

In Rauris hatten wir eine „luxuriöse“ Unterkunft und ließen es uns richtig gut gehen nach dem langen Marsch.

Am nächsten Tag starteten wir zum südlichen Ende des Raurisertals Richtung Goldberggruppe und begaben uns in das Gebiet des ehemaligen Goldbergbaus im Nationalpark Hohe Tauern. Erster Stopp war das Naturfreundehaus Kolm-Saigurn, wo wir einen ersten Einblick in die Entstehung und Geschichte des „Tauerngoldes“ und über den Bergwerksbesitzer und Erbauer des Sonnblickobservatoriums auf dem Hohen Sonnblick, Ignaz Rojacher, auch „Kolm Naz“ genannt, bekamen.

Hier ließen wir es uns nicht nehmen, die Kneipp-Anlage, erweitert mit einem kleinen Teich, auszuprobieren, wobei sich vor allem Christian und Ralf, zum Vergnügen aller, im eiskalten Wasser aalten.

Erfrischt und gestärkt ging es dann über den Barbarawasserfall hinauf zu den Melcherböden bis zum Schutzhaus Neubau, welches inmitten der historischen Stätten des Goldbergbaues liegt.

Der Name geht auf ein 1420 errichtetes Berghaus zurück und ist bis zum heutigen Tag erhalten geblieben. Damals wurde der Goldbergbau hinauf in Richtung Fraganter Scharte (2754 m) und Herzog-Ernst-Spitze (2933 m) erweitert und es wurden für die Knappen neue Unterkünfte benötigt.

In den Liegestühlen vor der Hütte genossen wir das unglaubliche Panorama und den herrlichen Sonnenuntergang auf dem Berg. Neben der Hütte gab es eine Quelle und ein kleines, aber eiskaltes Wasserbecken, in welchem sich Christian und Ralf wiederum „abkühlten“ und gar nicht genug kriegen konnten. Die Wirtsleute Anita und Manfred servierten uns ein leckeres 3-Gänge-Menü und es war eine Superstimmung auf der Hütte.

Am nächsten Tag stiegen wir zum Niedersachsenhaus auf und von dort über einen weit geschwungenen Bergkamm bzw. Grat, der über die stellenweise ausgesetzte Fraganterscharte (2.754 m) in südöstlicher Richtung führte, bis wir über ein letztes (seilversichertes) Stück, den Gipfel der Herzog-Ernst-Spitze (2.933 m) erreichen. Dann gings weiter zum höchsten Punkt der Alpenüberquerung, dem Schareck auf 3.122m.

Werner am Grat des Schareck (3.122m) (Foto: Marcel Platz)

Nach der Gipfelüberschreitung sind wir den „noch“ vereisten Mölltaler Gletscher entweder zu Fuß runtergestapft oder auf Plastiktüten runtergerutscht. Silke, Christian und ich hatten jedenfalls eine Mordsgaudi, wobei wir natürlich dabei klatschnass wurden. Aber so war bei dieser Bergtour einfach alles dabei, was das Herz begehrt:

Wandern, Schwimmen und Rodeln!

Hier oben war Bergtourismus pur, da der Mölltaler Gletscher eines der letzten Ganzjahresskigebiete ist und allerlei Wanderbegeisterte das Versprechen „Erlebnis 3000“ mit dem Blick auf die ersten 4 Dreitausender der Goldberggruppe, dem Schareck (3.122 m), dem Hohen Sonnblick (3.106 m), der Baumbachspitze (3.105 m) und dem Weinflaschenkopf (3.008 m) genießen wollten.

Dann ging es mit Panoramablick auf die Speicherseen, vorbei an der Duisburger Hütte, hinunter zum nächsten Hüttenstopp, dem Weißseehaus , direkt am Weißsee gelegen, wobei unsere Schwimmbegeisterten sich diesmal zurückhielten. Auf der Hütte gab es das beste Reherlragout (aller Zeiten) mit Semmelknödel und Werner ließ sich gleich das Rezept von der Wirtin geben.

Apropos Werner: Er führte uns in die Geheimnisse der Pilzkunde ein und bewahrte uns beim Reherlsammeln vor fatalen Fehlern. Jedenfalls waren wir immer wieder über sein enormes Wissen erstaunt.

Nach der komfortablen Übernachtung auf der Weißseehütte hatten wir am nächsten Tag auf dem Sadniger Höhenweg einen langen Marsch über 2 Scharten bis ins Astental der Sadnig Gruppe.

Es ging am Weißsee, Schwarzsee und Tümpeln vorbei, durch das Grasland der Kleinfragant, durch die steinschlaggefährdete Felswildnis des Hohen Ochsentriebs über Alm- und Weideland bis hinunter ins hinterste Astental. Erstaunt waren wir, dass wir hier oben auf so viel neugieriges und quirliges Weidevieh trafen. Noch erstaunlicher ist es, dass die Rindviecher diesen Ochsentrieb auf 2651 m erklommen haben.

Der Ochsentrieb bot uns einen einmaligen Blick. Früher wurden hier atemberaubend Ochsen hochgetrieben (Foto: Marcel Platz)

Leider sind wir in dieser Wildnis vom Weg abgekommen, der auch wirklich schwer zu verfolgen war, und haben uns durch das Alm- und Weideland geackert. Erschöpft aber wohlbehalten sind wir dann auf unserer vorletzten Hütte, dem Fraganter Schutzhaus, angekommen.

Die letzte Etappe war eigentlich die längste der gesamten Bergwanderung mit insgesamt 1900 Höhenmetern. Zuerst bestiegen wir den Kleinen Sadnig, der ziemlich ausgesetzt war, und dann begaben wir uns auf den langen, nicht enden wollenden Rückweg nach Stall, wobei wir auch mehrmals den Alpe-Adria-Trail kreuzten. Richard, unser wandelnder Navigator, führte uns kreuz und quer durchs Gelände, immer auf der Suche nach dem nächsten Wegzeichen, was unsere Pfadfinder auch verlässlich fanden.

Die Schlussszene des Filmes „Sieben Jahre in Tibet“ wurde übrigens auf dem Sadniggipfel gedreht.

Schließlich kamen wir alle fix und fertig, mit mehr oder weniger Blasen an den Füßen, in unserem letzten Quartier in Stall an. Marcel hatte für uns diesmal zwei Ferienwohnungen gemietet, mitten im Zentrum. Schwieriger gestaltete es sich in dieser Einöde, unsere einwöchige Bergtour mit einem warmen Abendessen feierlich zu beenden. Unsere Rettung war das Cafe Suntinger, das sich nebenbei sowohl als Oldtimertreffen mit Isetta und Co. als auch noch als Treffpunkt der Dorfjugend entpuppt hatte. Hier schloss sich kulinarisch der Kreis, da wiederum Kaspressknödel, aber mit Kärtner Manier, nämlich mit Pfefferminze kredenzt wurden.

Kräftig gefeiert, und die Alpenüberquerung damit würdig beendet, wurde dann aber noch in unserem urigen Häusl mit „Wein, Weib und Gesang“.

Am nächsten Tag ging es dann heimwärts, erst mit dem Bus entlang der Möll nach Mallnitz, eine eindrucksvolle Panoramatour, dann mit dem Zug über Salzburg, Freilassing und Rosenheim. Wir kamen erholt, mit viel neuer Energie und wunderbaren Eindrücken in Grafing an.

Unser Wanderführer Marcel hat diese Etappe sehr abwechslungsreich und mit viel Liebe ausgearbeitet und perfekt organisiert. Dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken.

Ich glaube, wir haben herrliche Momente zusammen erlebt und ich freue mich schon sehr auf die 3.Etappe im nächsten Jahr.

Simone Suski